Die Chronik der Orag eG Bayerische Schneidereigenossenschaft


 

Die ersten Ansätze zum gemeinsamen Wareneinkauf des Münchner Schneiderhandwerks gehen zurück bis in die Jahre 1855 bis 1860. Der damalige Hofschneider Josef Paulus erbot sich in uneigennütziger Weise, die Kollegen an seinen Direktbezügen teilnehmen zu lassen.

 

1881 kam es zur Gründung des Teilungsgeschäftes der "freien Innung der München Schneidermeister", da die Inanspruchnahme des Herrn Paulus durch die Kollegen immer mehr zunahm. Die Vorteile des gemeinsamen Einkaufs brachten nicht nur dem Teilungsgeschäft einen wesentlichen Zugang neuer Kunden und Mitgliedern, sondern auch die freie Innung erfuhr eine ungeahnte Ausweitung. Bei dieser Entwicklung hielt man es für notwendig, dem gemeinsamen Unternehmen eine gesetzliche Form zu geben.

 

1906 wurde deshalb die "Rohstoffgenossenschaft" der Schneiderzwangsinnung in München ins Leben gerufen.

Zum Geschäftsführer wurde Herr Baureß bestellt, in dessen Räumen auch die Geschäfte abgewickelt wurden. Neben dem Warengeschäft übernahm die Genossenschaft auch Lieferungsarbeiten, was ein weiteres Anwachsen des Unternehmens zu Folge hatte. Der entstandenen Raumnot konnte nur durch den Erwerb eines eigenen Anwesens abgeholfen werden.

 

1920 konnte die Genossenschaft das umfangreiche Anwesen Pettenbeckstrasse 5 erwerben. Im gleichen Jahre wurde dem Unternehmen die bisher formell selbstständige Lieferungsgenossenschaft offiziell angegliedert und erhielt die Bezeichnung ORAG .

 

1922 führten innere Zusammenhänge, vor allem aber die durch die Inflation bedingte Kapitalschrumpfung zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

 

1926 wurde die "Adavia" eine Einkaufsgenossenschaft des damaligen Arbeitgeberverbandes der Aktiengesellschaft angegliedert.

 

1929 erfolgte die Verschmelzung mit der damaligen Konkurrenzfirma Arnold Götz. Gleichzeitig wurde das Anwesen Pettenbeckstrasse 5 an die Firma Uhlfelder verkauft, die dort das gleichnamige Kaufhaus errichtete. Das heutige Oraghaus Dultstrasse 5 wurde erworben. Aus der Aktiengesellschaft wurde wieder eine Genossenschaft gelbildete unter dem Namen ORAG Südbayerische Schneider-

genossenschaft. Herr Arnold Götz, welcher als Geschäftsführer der Genossenschaft tätig war, schied infolge der damaligen politischen Verhältnisse 1934 aus.

 

1939 Die Kriegsjahre brachten unserer Genossenschaft erhebliche Verluste. Der Umsatz schrumpfte beträchtlich, eine Folge des Mangels an textilen Rohstoffen und vor allem dadurch, dass die Genossenschaft nach Gründung der Lago keine Lieferungsaufträge mehr übernehmen durfte. Unser Oraghaus blieb zwar vor der Vernichtung durch den Bombenkrieg wunderbarerweise verschont, war jedoch mit schweren Wunden behaftet.

 

1945 Der Zusammenbruch bei Kriegsende brachte auch uns große Plünderungsschäden, so dass bei Wiederaufnahme des Geschäftes im Juni 1945 keine Waren mehr zur Verfügung standen. Trotzdem ist es gelungen, die Mitglieder mit dem Nötigsten zu versorgen und so die schwierige Nachkriegszeit zu überwinden.

 

1948 Erst nach der Währungsreform konnte der Geschäftsbetrieb wieder im vollen Umfang aufgenommen werden.

 

1956 feierte die Orag 75jähriges Jubiläum. Die Jahre des geschäftlichen Wiederaufbaues nach dem Kriege hatten uns an die führende Stelle der Warengenossenschaften des Bekleidungshandwerks im Bundesgebiet gebracht. Unter Leitung von Herrn Kneipp (gest.1968), der seit 1939 dem Vorstand angehörte, erwarb sich die Orag Ansehen und Anerkennung bei Mitgliedern, Kunden und Lieferanten. Seinem Nachfolger Herr Schonlau war es ein großes Anliegen, neben der Ausweitung der Geschäftsverbindungen auch den baulichen Bestand des Oraghauses zu sichern und zu verbessern.

 

1969 erfolgte der Umbau der Läden im Erdgeschoß.

 

1975 Das Denkmalschutzjahr 1975 ermunterte die Verantwortlichen, die Fassade des schönen und städtebaulich dominierenden Oraghauses renovieren zu lassen.

 

1976 Für dieses verdienstvolle und gelungene Werk erhielt die Orag den Fassadenpreis der Landeshauptstadt München.

Doch auch im Inneren des Hauses wurden im Verlauf der letzten zehn Jahre aufwendige Renovierungen vorgenommen, damit man auch im Herzen unserer Stadt angenehm wohnen kann.

Im Rückblich erkennen wir, dass dieses Jahrhundert durch außerordentliche Wandlungen in geistiger und gesellschaftlicher Art gekennzeichnet ist.

Die veränderte Wirtschaftsstruktur stellte das Handwerk, aber auch unsere Genossenschaft, auf eine harte Bewährungsprobe. Es ist uns gelungen, den starken Rückgang an Handwerksbetrieben durch Umsatz im branchennahen und privaten Bereich auszugleichen.

 

1980 wurde die Geschäftsführung auf Herrn Hußmann übertragen. Er löste Herrn Schonlau ab, der nach 25jähriger Tätigkeit im Vorstand das 100jährige noch vorbereiten konnte und mit dem Jubiläumsjahr ausscheidet.

 

1981 Zum Jubiläumsjahr präsentiert sich die Orag mit einer schönen Fassade und einer soliden wirtschaftlichen Basis.